Digitale Kommunikationssysteme
Kommunikationssysteme ermöglichen die Übertragung und den Austausch von Nachrichten| von Ort zu Ort von Zeit zu Zeit |
: : |
Telekommunikation Informationsspeicherung |
Digitale Kommunikationssysteme sind dadurch gekennzeichnet, dass die
Nachricht sendeseitig als Folge digitaler Symbole, als sog.
Datensignal, dargestellt wird und somit
ein digitales
Übertragungssystem anwendbar ist. Analoge Nachrichten sind
hierfür zu digitalisieren, vgl.
Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale.
Datensignal
Ein Datensignal ist eine Folge von Symbolen aus einem zwischen einer Informationsquelle und einer Informationssenke (= Informationsempfänger oder -verbraucher) vereinbartem (Symbol-) Alphabet mit begrenztem Umfang.| Beispiele für Datensignale: |
Text Folge von Zahlen Folge von zweiwertigen Symbolen oder Binärsymbolen, z.B. 0 und 1, sog. "Bits" |
Anmerkung: Für den Nachrichtenfluss sind auch die
Bezeichnungen Datenrate und besonders im Umfeld der Informatik Bandbreite
üblich. Der Gebrauch des Begriffs Bandbreite ist in diesem Zusammenhang
jedoch leider sehr unglücklich und widersprüchlich. Er sollte
unbedingt vermieden werden, da eine ständige Verwechslung mit der
richtigen Bedeutung von Bandbreite unvermeidbar ist. Bandbreite bezeichnet
in der Elektro- und Informationstechnik seit deren Entstehung eindeutig die
(einseitige) Breite eines Intervalls auf der Frequenzachse, innerhalb dessen
das Fourierspektrum einer Zeitfunktion (z.B. eines
Nachrichtensignals) wesentlich von Null
verschiedene Anteile besitzt. Die Bandbreite des Nachrichtensignals, das
einen vorgegebenen Nachrichtenfluss repräsentieren soll, ist im Prinzip
völlig frei wählbar. Sie beeinflusst jedoch die Resistenz der
digitalen Übertragung gegenüber Störung. In der
Informationstheorie wurden diese
prinzipiellen Zusammenhänge zwischen Nachrichtenfluss, (Signal-)
Bandbreite und Störresistenz bereits 1948 von Claude E. Shannon
endgültig geklärt. (Wesentliche Zusammenhänge zwischen
Nachrichtenfluss und Bandbreite wurden bereits 1924 von Küpfmüller
und 1928 von Nyquist erkannt!) Shannon selbst verwendete den Begriff Bandbreite
sehr allgemein für die Zahl der Dimensionen eines Signalraums. Dafür
wurde später der Begriff Shannon-bandwidth geprägt.
Digitalisierung analoger Nachrichtensignale
Beispiele für analoge Nachrichtensignale:- Audiosignal:
- zeitlicher Verlauf des Schalldrucks bzw. der elektrischen Ausgangsspannung eines Mikrofons
- Videosignal:
- elektrisches Ausgangssignal einer Videokamera
- Prozesssignal:
- zeitlicher Verlauf einer physikalischen Größe in einem Prozess, z.B. in einem industriellen Produktionsprozess, bzw. eines davon abgeleiteten Messsignals.
Beispiel: Speicherung von Schallsignalen (Musik) auf der Compact Disc (CD).
Zur Digitalisierung werden sendeseitig aus dem Nachrichtensignal in
hinreichend kurzen Zeitabständen Proben entnommen. Diese Proben werden
vermessen und die Messwerte als Zahlen mit begrenzter Genauigkeit
(z.B. 0 bis 255) dargestellt. Die Zahlenfolge ergibt ein Datensignal.
Empfangsseitig werden aus den Zahlen entsprechende Signalwerte
erzeugt, aus denen mittels Interpolation das analoge Nachrichtensignal
zurück gewonnen wird.
Durch eine Beschränkung der Genauigkeit bei der
numerischen Repräsentation der Messwerte entstehen kleine Fehler,
das sogenannte Quantisierungsgeräusch. Werden genügend
Binärsymbole zur Darstellung eines Messwertes verwendet, ist dieser
Fehler jedoch nicht mehr wahrnehmbar.
| Beispiel: Compact Disc: | 16 Binärsymbole je Messwert, d.h. Zahlen von 0 bis 65535 |
In der Informationstheorie wird bewiesen, dass durch eine Digitalisierung analoger Nachrichtensignale keinerlei Nachteile bezüglich der Informationsübertragung entstehen. Im Gegenteil, durch die Digitalisierung wird die Anwendbarkeit digitaler Übertragungssysteme erreicht, wodurch eine enorme Erhöhung der Effizienz der Übertragung ermöglicht wird.
- Beispiel: Hörrundfunkübertragung im UKW-Bereich
- Bei gleicher Signalbandbreite, gleicher Distanz des Empfängers vom Sender und gleichen Störungen genügt bei einer digitalen Hörrundfunkübertragung ca. der 1/5000 Teil der Sendeleistung, um die gleiche Qualität wie beim üblichen analogen Rundfunk mittels Frequenzmodulation zu erreichen. Bei Anwendung moderner Verfahren ur Quellen- und Kanalcodierung ist eine eitere drastische Reduktion der Sendeleistung möglich.
Digitales Übertragungssystem
Ein digitales Übertragungssystem dient der Übertragung
(Speicherung) von Datensignalen. Dabei wird
eine möglichst hohe Zuverlässigkeit angestrebt; d.h. die Wahrscheinlichkeit
einer Verfälschung eines Datensymbols in ein anderes soll möglichst
gering sein. Treten dennoch Symbolfehler auf, so sollte dies empfangsseitig
zumindest erkennbar sein (Fehlererkennung).
Folgende Szenarien sind zu unterscheiden:
A) Punkt-zu-Punkt-Übertragung
Das einfachste Übertragungssystem ist die Punkt-zu-Punkt-Übertragung
mit je einem Sender und einem Empfänger gemäß folgendem
Blockschaltbild:
Im Sender wird der Folge von digitalen Symbolen,
dem Datensignal mit dem Nachrichtenfluss
,
ein wert- und zeitkontinuierlicher physikalischer Prozess als Sendesignal,
das Nachrichtensignal, zugeordnet.
Das Sendesignal kann beispielsweise ein Spannungs- oder Stromverlauf, ein
moduliertes elektromagnetisches Feld (Funkübertragung, optische Übertragung),
eine Magnetisierung oder eine mechanische Veränderung eines Substrats
sein.
Beispiele für Signalzuordnungen zu binären
Quellensymbolsequenzen
A. Binärsignal
B. Quaternärsignal
Das Beispiel B zeigt deutlich, dass Nachrichtensignale
zur Repräsentation von Daten keineswegs zeit- und/oder wertdiskret
zu sein brauchen. Vielmehr ist ein geglätteter Verlauf für eine
hinreichende Bandbreiteneffizienz unerlässlich. Die Zuordnung des
Nachrichtensignals zum Datensignal wird im allgemeinen dahingehend optimiert,
- dass ein Sendesignal möglichst geringer Leistung hinreichend
ist, um trotz Signaldämpfung und -verzerrung, sowie der
Überlagerung von Störungen bei Übertragung eine
usreichende Zuverlässigkeit erreicht wird.
Leistungseffizienz
- dass das Sendesignal auf die zur Verfügung stehende
Signalbandbreite B begrenzt ist.
Bandbreiteneffizienz
- dass Sender und Empfänger bei tolerierbarer Komplexität
echtzeitfähig implementierbar sind.
Komplexitätseffizienz
- dass Unbefugte weder die Nachricht belauschen noch unter falschem Namen Nachrichten unterschreiben können, bzw. dass der Aufwand hierfür unangemessen hoch wäre.
Die Informationstheorie
liefert allgemein gültige Aussagen bezüglich der Möglichkeiten
und Grenzen, diese Optimierungsziele gemeinsam zu erreichen.
Die Zuordnung des Sendesignals wird konzeptionell unterteilt
in Codierung und Modulation. In einer allgemeinen Sichtweise
können alle dispersiven Vorgänge der Codierung zugerechnet
werden, also das Zusammenwirken vieler Quellensymbole bei der Bestimmung
des Sendesignals für einen Modulationsschritt:
Quellencodierung:
Die Quellencodierung dient der Reduktion des zu übertragenden
Nachrichtenflusses durch Vermeidung von Redundanz und Irrelevanz.
Redundanzreduktion entspricht einer verlustlosen
Quellencodierung, d.h. das originale Nachrichtensignal ist trotz einer
Komprimierung des Datenstroms wieder unverfälscht herstellbar.
Irrelevanzreduktion stellt eine verlustbehaftete
Quellencodierung dar, wobei jedoch die Senke (der Nachrichtenverbraucher)
nicht im Stande ist, die Veränderung des Nachrichtensignals wahrzunehmen.
Durch eine Datenreduktion der Quellencodierung werden
sowohl Bandbreiteneffizienz als auch Leistungseffizienz gesteigert, da
bei gleicher Sendeleistung die mittlere (äquivalente) Energie je noch
zu übertragendem Binärsymbol ansteigt.
Verschlüsselung (Kryptologische Codierung):
Mit Hilfe eines kryptologischen Verfahrens (Verschlüsselung) wird einerseits vemieden, dass Unbefugte die Nachrichtenübertragung belauschen können, und andererseits kann der Absender sicher authentisiert werden, es können also dem Empfänger keine irreführenden Nachrichten sich falsch ausweisender Absender untergeschoben werden. In der Informationstheorie werden sehr allgemein Bedingungen für die Sicherheit einer Nachrichtenübertragung gegen unfreundliche Attacken angegeben.
Kanalcodierung:
Die Kanalcodierung dient der Sicherung der Nachricht gegen Verfälschung durch Störungen mittels Einfügung von Redundanz, z.B. in Form von Prüfsymbolen in das Datensignal. Die Kanalcodierung ermöglicht somit vorrangig eine Erhöhung der Leistungseffizienz, wobei es gemäß den Theoremen der Informationstheorie unumgänglich ist, für eine sehr hohe Leistungseffizienz Verluste in der Bandbreiteneffizienz hinzunehmen.
Modulation:
Der Begriff Modulation umfasst sowohl den Vorgang der Repräsentation der vom Coder abgegebenen Codesymbole durch einen physikalischen Prozess (= Nachrichtensignal), als auch dessen Aufbereitung und Anpassung an das Übertragungsmedium (z.B. Frequenzumsetzung, Verstärkung usw.).
Im Empfänger werden diese Schritte invers durchlaufen,
wobei Informationsverluste hinsichtlich der Schätzbarkeit der
Quellensymbolfolge aus dem gestörten Empfangssignal zu vermeiden sind.
B) Punkt-zu-Mehrpunkt-Übertragung (Broadcast-System)
Bei Nachrichtenverteilsystemen (z.B. Rundfunk (Broadcast-System)) liegt eine Punkt zu Mehrpunkt Übertragung vor, wobei für die verschiedenen Empfänger unterschiedliche Übertragungs- und Störverhältnisse für das gleiche Sendesignal auftreten. Die Empfänger können damit aus dem Signal unterschiedliche Informationsmengen entnehmen. Die Informationstheorie gibt eindeutige Regeln zur optimalen Gestaltung von Broadcast-Systemen an, so dass im Mittel die Empfänger die größtmögliche Informationsmenge erhalten.
C) Mehrpunkt-zu-Mehrpunkt-Übertragung
Viele Sende- und Empfangseinrichtungen greifen auf die gleichen
Übertragungsmedien zu (Beispiel: Funkverkehr innerhalb eines Mobilfunknetzes).
Dabei können die Signale anderer Sender auf den Empfang eines gewünschten
Signals störend wirken. Die Informationstheorie
liefert Hinweise zum optimalen Entwurf solcher Multi-User-Übertragungssysteme.
Informationstheorie
Die statistische Informationstheorie wurde nach längeren Vorarbeiten von Claude E. Shannon mit der Veröffentlichung der grundlegenden Arbeit
| A Mathematical Theory of Communications |
| Bell Systems Technical Journal 1948, pp.379-423 and 623-656 |
im Jahre 1948 begründet. Sie stellt die Basiswissenschaft für Informationsverarbeitung, Informationsübertragung und -speicherung dar. Die Informationstheorie zeigt prinzipielle Möglichkeiten und Grenzen der Informationsrepräsentation und Übertragung in sehr grundsätzlicher Weise auf. Sie umfasst Existenzbeweise und Nichtexistenzbeweise für technische Verfahren der Informationsverarbeitung und -übertragung. Etwa zur gleichen Zeit wurde eine sehr ähnliche Theorie durch Kotel'nikow in Russland erarbeitet.
Die Informationstheorie hat sich in nun mehr als 50 Jahren
zu einer vielfältigen und vertieften Basiswissenschaft entwickelt,
die zwischen Mathematik und (elektrischer) Informationstechnik angesiedelt
ist. Auf Grund ihrer fundamentalen Bedeutung auf die Technik in der 2.
Hälfte des 20. Jahrhunderts kann man die obengenannte erste Publikation
zur Informationstheorie von C. E. Shannon als den Beginn des sogenannten
Informationszeitalters bezeichnen.
Mehr zur Informationstheorie
In der Informationstheorie wird ein objektives, mathematisches Maß für Information eingeführt. Hierzu wird als abstraktes Modell einer Informationsquelle das Zufallsexperiment der mathematischen Statistik verwendet und definiert:
| Information ist die Verringerung der Unsicherheit über das Ergebnis eines Zufallsexperiments |
Die Unsicherheit I(A) bezüglich des Eintretens
eines Zufallsereignisses A wird dabei als negativer Logarithmus
der Wahrscheinlichkeit Pr(A) quantitativ erfasst:
(1)
Üblicherweise wird der Logarithmus zur Basis 2 verwendet.
und dann die (Pseudo-)Einheit der Information bit
(=binary digit) verwendet.
- Interpretation:
- Die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses A wird
mit der Wahrscheinlichkeit für I(A) zweiwertige, gleichwahrscheinliche
Zufallsereignisse verglichen.Ein Münzwurf mit den beiden gleichwahrscheinlichen
Ergebnissen Zahl oder Wappen stellt beispielsweise ein solches zweiwertiges
(=binäres) Zufallsexperiment dar. Ein Zufallsereignis A
zu erraten, dessen Zurkenntnisnahme einen Informationsgewinn von I(A)
bit bedeutet, ist damit gleichbedeutend wie I(A) aufeinanderfolgende
Münzwürfe richtig vorherzusagen.
- Beispiel:
- Die Wahrscheinlichkeit 6 richtige Zahlen aus 49 Zahlen
fehlerfrei zu erraten (= 6 Richtige beim Lotto 6 aus 49) beträgt ca.
- Pr (6 Richtige aus 49) = 1/13.980.000 = 0,000000072
- I (6 Richtige aus 49) = 23,74 bit
Die Hinweiseinheit bit für das informationstheoretische
Informationsmaß ist strikt zu unterscheiden vom umgangssprachlichen
Bit als Kürzel für binäres ( = zweiwertiges)
Symbol (z.B. 0 oder 1, A oder B, Wappen oder oder Zahl, usw.).
Das informationstheoretische Informationsmaß erscheint
zunächst als willkürlich, wird aber durch die Codierungstheoreme
der Informationstheorie als fundamental und praxisrelevant bestätigt.
Nachrichtenübertragung bei Störungen
Kann das Ergebnis eines Zufallsexperiments nicht direkt, sonder nur indirekt,
z.B. am Ausgang eines mehr oder weniger unzuverlässigen
Nachrichtenübertragungssystems beobachtet werden, so verbleibt beim
Beobachter auch nach der Durchführung des Zufallsexperiments eine
Restunsicherheit über dessen Ergebnis.
Trotz der Unzuverlässigkeit des Übertragungssystems kann durch Beobachtung der Variablen Y die Unsicherheit bezüglich des Ergebnisses des Zufallsexperiments, also bzgl. der Variablen X, verringert werden.
Informationsgewinn:
(2)
Wichtiger Satz:
Im statistischen Mittel, also im Mittel über viele
Nachrichtenübertragungen, kann der mittlere Informationsgewinn durch
Nutzung eines Nachrichtenübertragungssystems nicht negativ sein. Die
im Mittel übertragene Information ist auch nur dann Null, wenn die
Ausgangsvariable Y völlig unabhängig von der Eingangsvariablen
X ist.
- Anwendungsbeispiel:
- Das unzuverlässige Nachrichtenübertragungssystem
sei das Propagandaministerium einer totalitären Regierung, das versucht,
tatsächliche Ereignisse X nur verfälscht als Y an die Bürger
weiterzugeben. Langfristig kann es gemäß dem obigen Satz dem
Propagandaministerium nicht gelingen, dem Bürger falsche Tatsachen
vorzuspiegeln, allenfalls kann Information unterdrückt werden. Auch
dies gelingt nur dann, wenn völlig willkürlich und unabhängig
von den Tatsachen Nachrichten erfunden werden. Umgekehrt, je mehr das Propagandaministerium
versucht, gezielt Information zu verfälschen, umso besser wird die
Nachricht für die Bürger korrekt interpretierbar, umso mehr (echte)
Information erreicht sie. Mittels der Informationstheorie gelingt also
gleichsam ein "mathematischer Beweis" des Sprichworts
Codierungstheoreme der Informationstheorie
Das Informationsmaß der Informationstheorie erfährt seine Verifikation und zentrale Bedeutung für die Praxis der Informationsübertragung und -verarbeitung durch die Codierungstheoreme. Codierungstheoreme und ihre Umkehrungen wurden für viele unterschiedliche Szenarien der Informationsverarbeitung und Übertragung bewiesen. Einige elementare und wichtige Beispiele:
- A.) Quellencodierungstheorem zur verlustfreier Informationsrepräsentation.
- Es existiert eine Codierung zur eindeutigen Repräsentation der von einer diskreten Informationsquelle abgegebenen Symbolfolge x[k], bei der im Mittel nicht mehr als H(X) Binärsymbole je Quellensymbol erforderlich sind. Dabei bezeichnet H(X) den mittleren Informationsgehalt je Quellensymbol:
- B.) Quellencodierungstheorem für die verlustbehaftete Informationsrepräsentation,
- Rate-Distortion-Theory.
- Ein allgemeines, zeitdiskretes Nachrichtensignal x[k] (wertdiskret oder wertkontinuierlich) werde durch eine Folge digitaler Symbole repräsentiert. Bei der Rekonstruktion des Signals aus der Symbolfolge wird ein gewisser Fehler toleriert, der als Verzerrung (Distortion) D bezeichnet wird. Als Verzerrungsmaße können z.B. der Betrag der Differenz zwischen Original und Rekonstruktion aber auch die mittlere quadratische Abweichung u.v.a.m. verwendet werden.
- C.) Kanalcodierungstheorem
- Das Kanalcodierungstheorem besagt, dass auch bei Störungen und (massiven) Signalverfälschungen eine Informationsübertragung mit beliebig hoher Zuverlässigkeit möglich ist, wenn eine redundante Kanalcodierung eingesetzt wird. Dabei darf der mittlere Informationsgehalt R je Codesymbol eine Schranke C nicht überschreiten und die Codewörter sind hinreichend lang zu wählen.
- D.) Theoreme zur Sicherheit kryptologischer Verfahren
Umgekehrt wird auch bewiesen, dass keine umkehrbar eindeutige Codierung mit im Mittel weniger als H(X) Binärsymbolen je Quellensymbol existiert.
Codierverfahren zur verlustlosen kompakten Informationsrepräsentation
können anhand der theoretischen Schranke H(X) objektiv beurteilt
werden. Heute existieren Quellencodierverfahren, die auch für
Informationsquellen, für die eine genügend genaue statistische
Beschreibung kaum möglich ist, diese Grenze durch fortwährende
Adaption des Algorithmus erstaunlich nahe erreichen (Beispiel: Komprimierung
von Texten auf ca. 1,5 Bit/Buchstabe). In der Datenübertragung und
-verarbeitung erlangt diese sog. "Datenkomprimierung" zunehmende Bedeutung.
Es existiert eine Codierung zur Repräsentation des Nachrichtensignals, bei der im Mittel nur R(D) Binärsymbole je Wert x[k] erforderlich sind, um eine mittlere Verzerrung kleiner oder höchstens gleich D zu erreichen. Dabei bezeichnet R(D) die Rate-Distortion-Funktion der Signalquelle. Es exisitiert jedoch keine Codierung mit im Mittel weniger als R(D) Binärsymbole je Wert x[k], bei der die mittlere Verzerrung D nicht übersteigt.
Die Rate-Distortion-Funktion und das zugehörige Quellencodierungstheorem
für die verlustbehaftete Informationsrepräsentation bilden die
allgemein gültige Vergleichsgrundlage bei der
Digitalisierung
analoger Nachrichtensignale.
Die Schranke C ist der Mittelwert des Informationsgewinns
I
bezüglich des Quellensymbols durch Beobachtung der gestörten
Kanalausgangsvariable nach Gl. (2) (siehe Nachrichtenübertragung
bei Störungen), wobei alle einstellbaren Einflussgrößen
so gewählt werden, dass dieser Mittelwert möglichst groß
wird:
Der größtmögliche Wert für den mittleren Informationsgewinn bei der Übertragung eines Symbols wird als die
Kapazität des Übertragungskanals,
kurz: Kanalkapazität
bezeichnet.
Genauer formuliert besagt das Kanalcodierungstheorem:
Es existiert ein Code mit dem mittleren Informationsgehalt
R je Codesymbol, mit dem eine beliebig niedrige Wahrscheinlichkeit für
Codewortfehler erreicht werden kann, wenn die Codewortlänge hinreichend
groß gewählt wird und gilt R<=C. Für R > C gibt es dagegen
keine Möglichkeit, eine absolut zuverlässige
Informationsübertragung zu erreichen.
Kanalkapazität
Mittels redundanter Kanalcodierung ist es prinzipiell möglich, auch über gestörte Übertragungswege zuverlässig Informationen zu übertragen, so lange im Mittel der Informationsgehalt je Kanaleingangssymbol (Codesymbol) nicht die Kanalkapazität C übersteigt. Somit ist die Kanalkapazität ein entscheidendes Gütekriterium für Informationsübertragungsmedien. Da über die physikalische Signalbandbreite wiederum die Zahl der je Zeit übertragbaren Codesymbole begrenzt ist, erhält man eine obere Schranke für die je Zeiteinheit zuverlässig übertragbare Information, den maximalen Informationsfluss CT.
Wohl am berühmtesten ist Shannon's Formel für die Kapazität
CT des Kanals mit Störung durch weißes
Gauß'sches Rauschen und einer Begrenzung der Signalbandbreite auf
B:
B: (einseitige) Signalbandrate
S: Leistung des Empfangsnutzsignals
N: Leistung der additiven weißen Gauß'schen
Störung
Eb: äquivalente Energie je bit übertragener
Information
N0: (einseitige) Rauschleistungsdichte
CT/B: spektrale Effizienz der Informationsübertragung
Diese Gleichung stellt eine Beziehung zwischen Information
und Energie her: Sie gibt die minimale Energie Eb an, die zur
physikalischen Repräsentation von 1 bit Information erforderlich ist.
Die Informationstheorie ist damit in der Lage, die Dualität von Energie
und Materie zu einem Beziehungsdreieck
zu erweitern.
Redundante Kanalcodierung
In der Kanalcodierung werden neben informationstragenden
Symbolen noch Prüfsymbole, die aus den Informationssymbolen eindeutig
berechnet werden, über einen unzuverlässigen Informationsübertragungsweg
übertragen.
Da die Prüfsymbole somit selbst nicht unmittelbar
informationstragend sind, infolge der Codegesetze die Information der k
Informationssymbole jedoch gleichmäßig über das ganze Codewort
verteilt wird, fällt der mittlere Informationsgehalt R je Codesymbol
bei steigender Zahl von Prüfsymbolen. Bei gleichwahrscheinlichen
Codesymbolen aus einem Mc -wertigen Symbolvorrat gilt für
diese Coderate
- Empfangsseitig kann anhand der Codegesetze
- - eine Fehlererkennung erfolgen
- - eine Fehlerkorrektur (forward error correction FEC) vorgenommen werden
- - anhand der analogen Empfangsignale direkt das mit größter Wahrscheinlichkeit gesendete Codewort ermittelt werden. Die Kanalcodierung dient in diesem Fall der Verbesserung der Unterscheidbarkeit der unterschiedlichen Signale und somit der Vermeidung von Fehlern.




